Unser Feld

Na, toll. Jetzt ist es soweit. Ich bin in die Falle getappt. Hank Bukowski hat mich immer gewarnt: Politik ist eine Hure. Aber ich habe mich nun mal entschieden und gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes gestimmt.
Ich bin einfach gern da. Es ist ein magischer, schräger Ort. Und keine andere Stadt der Welt hat so etwas. Ich will weiter dorthin gehen. Und es auch gern meiner Tochter zeigen. Wenn sie aber anfangen, an den Rändern Wohnhäuser zu bauen, LUXUSWOHNHÄUSER, dauert es nicht lang und jemand beschwert sich über die Lautstärke. Dann wird der Zutritt beschränkt. Dann wird mehr gebaut. Und irgendwann darf man überhaupt nicht mehr hin.
Deshalb haben ich und 740.000 andere dagegen gestimmt. Es wurde demokratisch und rechtsgültig beschlossen, dass dort nicht gebaut werden darf. Die Bebauungsbefürworter im Senat haben keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr sie sich persönlich darüber ärgern, dass das Volk sich so ungustiös in das Tagesgeschehen einmischt.
Nun hat sich vieles geändert. Der enorme Flüchtlingsandrang schreit nach schnellen Lösungen. Ich bin für bedingungslose Hilfsbereitschaft. Und auch das Feld ist nicht so heilig, dass es nicht zur Unterbringung genutzt werden könnte.
Ich horche nur auf, wenn ich höre, WER diese Nutzung fordert. Unter lautem Protest der Piraten, der Grünen, ja, sogar der CDU, ist es der SPD-Stadtentwicklungssenator Geisel, der hier seine Stimme erhebt.
Stadtentwicklungssenator? Was macht so jemand, wenn gerade keine Flüchtlingskrise zu bewältigen ist? Richtig, er entwickelt. Stadt. Und bestimmt gibt er sich nicht mit Kleinkram ab. Solche Leute wollen immer Prestige-Projekte.
Deshalb erscheint es ihm auch wenig glanzvoll, irgendwelche leerstehenden Neuköllner Kaufhäuser der sinnvollen Nutzung zuzuführen, und DORT Flüchtlinge unterzubringen. Oder in einer der zahllosen anderen Möglichkeiten, die gar nicht erwähnt werden, weil die SPD sich weigert, ein Gutachten darüber erstellen zu lassen.
Nein, er möchte die Flüchtlinge auf den Rändern des Feldes unterbringen. Auf jenen Streifen, auf denen sie 2014 ihre Luxus-Schinken hochziehen wollten. Brachflächen ohne Kanalisation, ohne Stromleitungen. Die nicht einmal betoniert sind. Und dafür verseucht mit Weltkriegsmunition. Natürlich will er das. Weil auf die Art ganz nebenbei das Gebiet erschlossen wird. Für zukünftige Projekte.
Weil Männer wie Geisel nicht an die Flüchtlinge denken. Sondern nur an ihre eigentliche Aufgabe. Und weil es ihnen nicht zynisch vorkommt, das schlimmste Elend für ihre Zwecke zu nutzen.
„Wir diskutieren nicht die Abschaffung, sondern die Ergänzung des Tempelhofgesetzes.“
Das könnte man auch zu jemandem sagen, der ohne Grund, ohne Gerichtsverhandlung eingesperrt wird: Das ist keine Abschaffung deines Grundrechtes. Sondern eine Ergänzung.
Ich brauch jetzt erstmal was zu trinken. Scheiß-Politik. Aber wenn ich solche grinsenden Opportunisten höre, reißt mir immer die Hutschnur. Vor allem, wenn sie derweil mehr und mehr Waffen exportieren. Und damit die arabische Halbinsel so verheeren, dass unsere Brüder und Schwestern nie mehr in ihre Heimat zurückkehren können.

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