So wunderbar ein Dichter zu sein

Ich hab schon viele kuriose Lesungen gegeben, doch die merkwürdigsten Sachen passieren immer hier in Berlin. Wie bei der Buchmesse in der Kulturbrauerei. Vor mir zog eine Frau ihre Show ab, die sich damit rühmte, die DEUTSCHE SYNCHRONSTIMME VON SEX AND THE CITY zu sein. Als ich dann meine Zeit am Mikro vorwiegend dazu benutzte, die Zuschauer zu beschimpfen, kam zwischendurch meine Verlegerin nach vorn.
„Clint, die haben die Lautsprecher abgestellt.“
„Aber die Monitore laufen doch noch“, sagte ich.
„Die hatten Angst, dass du ausrastest, wenn du’s bemerkst.“
Woraufhin meine wenigen Fans die Monitorboxen zum Publikum drehten und sich schützend davor stellten, während ich weiter Beleidigungen hinaus schrie. (Seither hat das Kesselhaus mich komischerweise nicht mehr als Künstler gebucht.)
Oder im Knast. JVA Hakenfelde. Ich kam mir vor wie Johnny Cash, als ich den Grasdealern und Steuerbetrügern meine Stories vorlas. Doch scheinbar hatte das Resozialisierungssystem längst die Musik aus ihren Seelen gesaugt. Sie trauten sich kaum zu lachen. In der Pause tuschelte eine Gruppe von Knackis in meiner Nähe, dann kam der größte und breiteste rüber und baute sich vor mir auf: „Wir finden es falsch, dass du die Prostituierten in deinem Text Nutten nennst.“ Ob Johnny sich sowas auch anhören musste?
Ich lebe im Wedding und natürlich ist mir hier auch schon eine Laus über die Leber gelaufen. Da ist dieses Ding, das sie FIGHT NIGHT nennen: Eine Boxmeisterschaft der Lokalmatadore. Zwischen den Kämpfen sollte ich krasse Texte vortragen.
Der Ring stand in der Mitte einer riesigen Turnhalle. Einige Hundert Türken und Deutschtürken waren anwesend, sowie ein paar Deutsche, die wie Deutschtürken redeten. Es lag viel After Shave und RESPECT in der Luft. Viel verstehe ich nicht von dem Sport, fand es allerdings schade, dass die Begegnungen meist in der ersten Runde schon endeten, weil einer der Kontrahenten aufgab.
Als ich den Ring betrat, wurde ich augenblicklich nieder gebrüllt.
„Geh arbeiten, Pussy!“, hörte ich es aus der Menge. „Lies uns ein schönes Gedicht!“ Gelächter und Flüche in anderen Sprachen. Mühsam versuchte ich gegen den Lärm anzukommen – vergebens. Ich konnte es ihnen nicht übel nehmen. Sie waren zum Boxen gekommen, um ihre Helden anzufeuern. Es war eine dumme Idee des Veranstalters, mich zartbesaiteten Künstler dazwischen zu stellen.
„Ruhe, bitte. Nochmal kurz Ruhe“, versuchte der Moderator die Leute zu zügeln. „Seid fair, ihr wollt doch auch, dass man euch respektiert!“
Das Lachen wurde noch einmal lauter. Ich beschloss es kurz zu machen und sagte nur einen Limerick von Chandler auf. Überall diese Gesichter. Ihr Testosteron, ihr Sportlergeist, ihre bizarre Version von Ehre.
„Vielen Dank“, rief ich dann. „Ihr wart ein bezauberndes Publikum! Ich bin schon in so vielen Schwulenclubs aufgetreten, aber so schön wie hier war es noch nie.“
Zum ersten Mal an diesem Abend herrschte Stille. Ich sah, wie die Einlasserin bleich wurde und hastig begann, den Büchertisch abzuräumen. Dann ging das Gebrüll los. „Was hat der gesagt? Was für ein Club?“
Zitternd kletterte ich aus dem Ring. Mir war klar, in was für einer gefährlichen Lage ich mich befand. Vor allem wenn man bedenkt, dass meine hochschwangere Frau auch da war. Eilig nutzten wir die Sekunden der Konfusion, um die Halle zu verlassen und in das erstbeste Taxi zu springen. Hinter uns kamen jetzt einige der Jungs auf den Parkplatz gerannt. Während wir ängstlich in Richtung Gesundbrunnen fuhren, dachte ich: Bei meiner Seel‘. Es ist so wunderbar, ein Dichter zu sein.

Ich darf nicht zum Porno

Letztens mal wieder eine schöne Lesewoche gehabt. Zuerst mit Sarah und Daniel im Kreuzberg Slam – Finale. Daniel dabei mein Held. Erstens, weil er Schnaps mit mir trinkt, während die meisten anderen Poeten inzwischen nicht mal mehr Bier trinken. Und zweitens, weil er sich dann in seiner Anmoderation so verzettelt, dass die fünf Minuten im Anschluss nicht mehr für seinen Text reichen. Er kommt trotzdem ins Finale. Und was tut er? Den angefangenen Text zu Ende lesen. Um dann einen zweiten anzufangen, der wieder mittendrin abgebrochen wird. Famos.
Bei den Surfpoeten am Mittwoch dann nur dreißig Zuschauer und die schlecht gelaunt. Als hätte man sie gezwungen zu kommen. Jeder vorgetragene Text scheint sie noch weiter zu verstimmen. Weshalb meine Kollegen und ich zu immer verstörenderen Texten greifen. Manchmal entwickelt sich das so. Dass sich eine Front zwischen Vorlesern und Publikum bildet. Hat auch seinen Reiz.
Der Höhepunkt am Donnerstag: Tiere streicheln Menschen. Backstage-Raum, in dem schon Florence gesessen hat. Kühlschrank voller Bier. Wein und Rum auf dem Tisch. Dazu chillaxen mit Sven, Larissa und Gotti. Lässt sich doch eigentlich aushalten, denke ich. Und trotzdem bin ich gestresst. Das liegt an den Porno-Leuten.
Ich porträtiere seit einer Weile für ein Berliner Magazin Menschen mit interessanten Berufen. Früher oder später musste ich da ins Porno-Business geraten. Die Recherche war spaßig: Ich setzte mich mit meinem Laptop ins St. Oberholz. So dass alle meinen Bildschirm sehen konnten. Dann surfte ich Richtung redtube und pornhub. Suchte nach Berliner Produktionen, schaute mir die Besetzungslisten an. Wenn mich jemand in der Kneipe schief ansah, machte ich ein borniertes Gesicht. War ja schließlich Arbeit.
Ziemlich schnell fand ich einen geeigneten Protagonisten: TOM STAHLGRAT. Name geändert. Eine Berliner Keule, nicht älter als ich. Kam als Quereinsteiger ins Business, arbeitete sich hoch, ist inzwischen einer der produktivsten Regisseure. Ich schrieb ihm und bekam prompt Antwort: „Ruf mich morgen mal an.“
Morgen war Samstag, ich hatte eine Verabredung in der Therme im Europa-Center. Zwischen zwei Aufgüssen stellte ich mich auf die Dachterrasse und zückte das Handy. Mein Badenmantel war vorne offen. Bin eben stilbewusst.
„Hey, Tom. Wir haben gestern geschrieben.“
„Ja, klingt cool“, meinte er. Junge Stimme, Lichtenberg-Slang. „Können wir machen. Dann willst du bestimmt mit zum Dreh, oder?“
„Dreh wäre cool. Vielleicht können wir uns auch mal im Schnittstudio treffen.“
„Nein, da bin ich lieber allein. Ist zwar nur Porno, aber da muss ich mich konzentrieren.“
„Und Dreh ist kein Problem?“
„Nein, da sind eh tausend Leute am Set. Nächste Woche Montag machen wir was. Bist herzlich eingeladen.“
„Cool. Ihr könnt mich auch gern als Runner oder Assi einteilen. Kann besser drüber schreiben, wenn ich am Geschehen beteiligt bin.“
„Alles klar. Werd drauf zurück kommen.“
Freudig erregt raffte ich den Bademantel über meinen Hüften zusammen. Nahm mir für Montag frei. Besorgte einen Babysitter fürs Kind (meine Frau war zu der Zeit voll beschäftigt). Nach zwanzig Minuten war der Weg frei geräumt. Porno, ich komme.
Am Sonntag vor dem Dreh, ich recherchierte immer noch fleißig, sagte Tom plötzlich ab: „Hey Clint, Dreh ist leider verschoben. Meld mich mit neuem Termin.“
Also cancelte ich den Babysitter, ging doch zur Arbeit. Am Abend sah ich bei Facebook, dass Tom einen Live-Stream geteilt hatte. Zu sehen waren er und sein Team. Ein kurzes Interview mit der Hauptdarstellerin. „Und jetzt sag ick Tschüsschen, liebe Leute“, krähte er aufgekratzt in die Kamera. „Wir drehen jetze. Das Ergebnis seht ihr wie immer auf Bimsbums.com!“
Ich war frappiert. Nicht so sehr, weil er mich rausgekantet hatte. Sondern weil er es mir derart unter die Nase rieb. Wusste er nicht, dass wir FB-Freunde waren? Oder war es ihm einfach schnuppe?
Ich schrieb ihm: „Tom, wenn du keine Lust auf das Porträt hast, sag mir das bitte. Ich muss auch schauen, wie ich mich organisiere. Eine klare Ansage wäre professionell.“
Die Antwort kam schnell und devot: „Nein, sorry. Ich will das unbedingt machen. Nächster Dreh ist am Freitag. Bist immer noch herzlich eingeladen.“ Dazu schickte er mir seine Privatadresse. Also wieder Termine verschieben, schauen, wo ich das Kind parke. Kein Problem, das war es mir wert. Ich vertiefte mich nochmal in sein Oeuvre, schaute mir seine Folgen von SCHWANZKNIFFEL an. Und die Serie BLASMOBIL, bei der er mit einem Kollegen und zwei Pornosternchen im VW-Bus durch Berlin cruist und Passanten dazu überredet, sich vor der Kamera einen blasen zu lassen.
Doch als ich dann bei Tiere Streicheln Menschen sitze, am Donnerstag vor dem Dreh, kommt eine SMS: „Clint, mein Lieber. Ich muss den Dreh leider absagen. Die Hauptdarstellerin kriegt ihren Schein nicht. Das ist auch für mich scheiße, weil ich dadurch echt Geld verliere. Sorry, sorry, ich hab wirklich Lust auf das Porträt.“
Kann ich ihm glauben? Hat seine Darstellerin die Chlamydien? Oder verarscht er mich? Andererseits komm ich selbst vom Film und weiß, was alles schief gehen kann. Also äußere ich mein Verständnis und hoffe auf einen neuen Termin.
„Super, danke!“, schreibt er zurück. „Bist ein cooler Typ. Melde mich asap mit neuem Termin.“
Dieses ASAP. Das fand ich schon immer schlimm. Macht einen auf Dringlichkeit. Kann aber genauso gut NIEMALS heißen. AS SOON AS POSSIBLE. Aber wer bestimmt, wann es possible ist?
Mehr als acht Wochen später warte ich noch immer auf seine Rückmeldung. Nachhaken kommt nicht mehr in Frage. Ich bin vielleicht eine Hure. Aber immerhin eine, die sich ihre Freier aussuchen kann.
Es zeckt trotzdem ein bisschen. Warum lassen die Porno-Leute mich nicht an sich ran? Bin ich nicht cool genug? Aber sie wollen doch als seriös wahrgenommen werden. Als pflichtbewusste Handwerker. TOM STAHLGRAT lässt mich jedenfalls ratlos zurück.

Vielen Dank für einen Scheißdreck von Nichts

Mir ist da so eine Sache passiert. Ein Girl kam zu einer meiner Lesungen und wollte ein Interview. Naives Ding, das ich bin, hab ich natürlich gleich zugesagt. Mein neues Buch ist grade erst rausgekommen. NIE WIEDER FRIEDEN. Ein bisschen Presse kann da nicht schaden. Dachte ich zumindest.
Wir trafen uns in einem Café in Moabit. Das Interview verlief schleppend. Man hatte ihr offenbar an irgendeiner Universität eingetrichtert, dass man jeden Autor in eine Schule einordnen kann. Dass es in der Kunst Regeln gibt. Und dass die Literaturästhetik ein heiliger Schrein ist. Dieses Wissen versuchte sie auf mich anzuwenden.
Ich wurde bockig. Und bestand in der Folge darauf, dass mir das Interview vor der Veröffentlichung vorgelegt wird. Einen ganzen Abend lang machte ich mir die Mühe, ein bisschen Leben in diese öde Sache zu hauchen. Dann hörte ich erstmal nichts mehr von meiner Interview-Partnerin.
„Was ist los?“, wollte ich ein paar Wochen später wissen. „Hab ich dir zu sehr in den Kram gepfuscht?“
Wieder dauerte es ein paar Tage, bis sie antwortete:
„Ich habe das von Dir abgeänderte Interview von zwei Freunden lesen lassen und beide Freunde waren über die Antworten etwas irritiert. Einige Fragen erschienen ihnen aus dem Zusammenhang gerissen, einige Antworten wären zu vage, kämen arrogant daher, so meinten sie. Und ein Text über Literaturästhetik ist es nun auch nicht mehr, leider.“
Ich saß bei meinem Wein und fragte mich: Arrogant? Meine Antworten kommen arrogant daher? Wer hat denn festgelegt, dass ein Künstler gefällig sein muss? Was würden Kinski, Bukowski, Nabokov dazu sagen? Und vor allem: Wer zum Teufel sind diese zwei Freunde? Und warum sollte ihre Meinung irgendwie relevant sein? Das ist doch Sklavenmoral.
Da hab ich den Laden natürlich hingeschmissen. Merke nun aber, dass meine Antworten zu schade sind, um einfach so im Äther zu verschwinden. Deshalb, hier bitte, unplugged, meine Ergüsse, ein Scheißdreck von Nichts:

Hallo Clint, Du bist eigentlich Lesebühnenautor. Sind Deine Texte nicht eigentlich für die Bühne gemacht?
Ich habe das Phänomen „Lesebühne“ zum ersten Mal 2009 wahrgenommen. Da hatte ich bereits mehr als zehn Jahre Schreiben, Scheitern, Weiterschreiben hinter mir. Die Bühne ist praktisch, weil ich ein bisschen Geld verdiene und meine neuen Sachen an einem unvoreingenommenen Publikum ausprobieren darf. Das kann ein guter Kompass sein. Der zuverlässigste Kompass ist aber selbstverständlich bei mir selbst eingebaut.

Du siehst Dich nicht als Teil der Berliner Lesebühnentradition?
Ich gehöre überhaupt keiner Tradition an. Es gibt für mich nur das kreative Individuum. Gruppierungen sind immer schädlich. Es stimmt, dass ich mich in der Lesebühnen- und bisweilen auch der Slam-Szene bewege. Und möglicherweise habe ich mir auch das ein oder andere Instrument von dort ausgeliehen. Mehr aber nicht.

Was hast Du Dir ausgeliehen?
Die Verpflichtung, immer unterhaltsam zu sein. Nicht unbedingt lustig. Viele meiner Geschichten sind ziemlich düster. Manche auch traurig. Aber sie sind niemals langweilig. Außerdem halte ich mich an die gängige Textlänge, bzw. –kürze. Der klassische Lesebühnentext dauert vorgelesen 5-7 Minuten. Ich denke, dass ich inzwischen ganz gut darin bin, trotz dieses engen Rahmens Geschichten mit einigem Tiefgang zu erzählen. Als „echter Schriftsteller“ wird man freilich nur wahrgenommen, wenn man seine Ideen auf die zehnfache Länge aufpumpt. Da wären wir dann wieder beim Thema Langeweile.

Ist Clint identisch mit Dir als Person?
Clint ist eine Kunstfigur. Meine drei bisherigen Bücher haben den Anschein des Autobiographischen. Aber nur, weil ich das gern kolportiere. Ich würde mich als „method writer“ bezeichen, als Pendant zum „method acting“. So wie Marlon Brando, der sich Eiswürfel unter seine Bastmatte legt. Er stirbt dadurch nicht wirklich. Aber er verändert die Umstände so, dass er das Sterben wahrhaftiger verkörpern kann. Genauso erlebe ich gern bestimmte Situationen, bevor ich darüber schreibe. Was nicht heißen soll, dass ich nur deshalb Filme mache, Drogen nehme, arbeite, reise und ficke, weil ich darüber schreiben werde. Das mache ich, weil ich ein interessantes Leben führen will.

Deine Geschichten haben oft sehr bedeutungsschwangere Titel. Kannst du vielleicht den ein oder anderen erklären?
Das Buch enthält viele Chiffren. Wenn man Spaß an Rätseln hat, kann man sie alle mithilfe des Internets oder einer gewissen Belesenheit entschlüsseln. Muss man aber nicht. Das sind keine Informationen, die man zum Verständnis der Geschichten braucht. Ich heiße nicht Joyce.

Es gibt in Deinem Buch wiederkehrende Themen. Wie z.B. Liebe. Aber auch das Verhältnis von Clint zu alltäglich Pflichten, wie Steuerklärungen, Einkaufen, Rundfunkbeitrag wird mehrmals thematisiert. Dinge, die das Verhältnis zwischen Subjekt, Staat und Dienstleistung kennzeichnen. Ist das ein Thema, das Dich beschäftigt?
Natürlich. Wenn ich nicht zum Schreiben komme, weil ich einkaufen muss oder Ärger mit der Hausverwaltung habe, könnte ich regelmäßig zu Asche zerfallen. Man muss im Alltag wirklich kämpfen, um Zeit für die wichtigen Dinge zu haben. Die meisten schaffen das nicht und ertrinken in Banalität.

Ist das eine Frage von Organisation? Oder ist unsere Gesellschaft schuld, oder gar die Politik?
Ich möchte das nicht politisch formulieren. Dazu habe ich als Künstler keine Befugnis. Wenn ich aber höre, dass die Menschen sich jetzt wieder mühsam „Achtsamkeit“ in den Schädel hämmern, bin ich geneigt zu behaupten, dass sie selbst an ihrem Elend schuld sind. Mitmenschen sind nicht leicht zu ertragen. Da hilft mir das Schreiben auch.

In „Nie wieder Frieden“ behauptest Du, Du würdest eher sterben wollen, als einem regulären Beruf nachzugehen.
Einem regulären Beruf nachzugehen heißt doch im Grunde nichts anderes, als für eine sehr lange Zeit ein und dieselbe Sache zu machen. Da muss sich ein Gehirn ja verflüssigen. In meiner Zeit als Hospizpfleger habe ich das von Menschen aus allen Schichten gehört: „Hätte ich bloß nicht mein ganzes Leben mit Arbeit verschwendet.“
Ich arbeite seit ich zwanzig bin in den verschiedensten Jobs. Habe nie BaFög oder HartzIV gekriegt. Ich arbeite gern. Aber nur solange es interessant ist. Sobald sich Routine einschleicht, suche ich mir etwas Neues. Die einzige Konstante ist das Schreiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Foto: kinski.de © Edition Salzgeber

 

 

Effizienz

Bei uns wurde gestern eingebrochen,
zum dritten Mal dieses Jahr.
Geklaut haben sie nichts,
denn wir haben
nichts.
Aber zuhause ist nicht mehr
das gleiche.

Die Kripo kam,
zwei Girls und ein Kerl, alle
jung
hübsch
relaxed.
Sie wussten nicht, dass sie schon zweimal da waren
auch nicht wie weit die Ermittlungen sind.
„Bulgarische Banden“,
sagte der Kerl. „Die sind längst über alle Berge.
Machen Sie sich nicht zuviel Hoffnung.“

Am Abend fuhren wir in den Baumarkt,
um einen Riegel zu kaufen. Eine
Streife winkte uns an den Straßenrand.
Der Bulle
Gesicht wie ein Schienenräumer
ließ sich Papiere und Führerschein geben.
„Sie wissen, dass ihr rechtes Rücklicht kaputt ist?“
Dann stellte er einen Strafzettel aus denn
Dienst ist Dienst und Schnaps ist
Schnaps.

Foto © whistlinginthewind.org

Fick dein eigenes Hirn

Auf dem Weg zur Arbeit
lese ich in der Geschichte des Byzantinischen
Reichs.
Nach dem Job, nachdem ich
das Kind abgeholt
die U-Bahn verpasst
die Miete gezahlt und
eingekauft habe, vertritt mir
eine Frau den Weg mit
der Frage, ob ich meinen Telefonanbieter
wechseln will. Und ich brülle das arme Ding an:
„Ich will mir was über Kaiser Justinian notieren!“
Ich weiß, dass das schrullig ist. Aber es sind
meine Schrullen
und die nehmt ihr mir nicht
auch noch.

Unter kleinen Männern

Ich mag sie trotz allem noch immer.
Liebe ist es nie gewesen, zu kurz
die gemeinsame Zeit. Doch
wir sind noch ein Team,
auch wenn sie sich nicht berührten, unsere Leben in den vergangenen Tagen.
Sie interessiert sich nicht mehr für Buddhismus,
sondern für Tischtennis. Tischtennis ist
ihr neues Steckenpferd.
Mia mit dem Schlafzimmerblick. Die schöne, kleine Mia.

Schon damals ist sie mir seltsam erschienen, die Verehrung
dieses Fluchs aus dem Osten. Als Mia
beten ging für die tote Frau ihres Lama. Beten im Zentrum
mit den anderen Bekehrten, vierzig Euro pro Kopf. Der
selbsternannte Lama aus Dänemark, von dem sie mir
Fotos zeigte im Netz. Der Lama, der seine Frau verlor und
nichts weiter hat zum Trösten als seine Millionen und die Scharen
gläubiger Mädchen, zur Defloration bereit.
Ich mochte sein Grinsen nicht, wie ich den Papst nicht mag, oder
den lächelnden Heuchler aus Tibet. Zu heilig
seine Religion aus Diamant, die doch auch nur ihre Kinder
unter der Knute hält in Indien und
Nepal und überall, seit Jahrtausenden schon.

Doch Mia spielt nun Tischtennis. „Ich
hab seit Wochen nicht meditiert.“ Und im Zentrum
vermissen sie ihr Gesicht.

Ich spiele kein Tischtennis, so wie ich kein Buddhist bin oder Christ oder Juso,
aber wir sind in diese Bar gegangen, eine Tischtennis-Bar und
ich mag Mia trotz allem noch immer.
Nur Kerle im Raum, Miniaturen von Kerlen, so klein wie
ihre rot-schwarzen Schläger. Sie springen
im Kreis um die Platte, mit
ihren Sportjacken und Hornbrillen.
„Was, wenn ich nicht kann?“, frag ich und Mia sagt: „Wir machen
das schon. Ein Team wie früher, nur du und ich.“

Doch wir verlieren 21:2. Mia ist Anfängerin und ich nicht mal
das, die andern dagegen Ligisten. „Da muss aber noch jemand üben“, sagt
eins der Männlein zu mir und ich würde ihm gern eine geben,
dass sich das Glas seiner Brille
mit den Augen mischt.
Ich hab gegen Engel und
Teufel im Hades gekämpft. Mein Herz ist
ein Schauplatz von Kriegen.
Doch was ist es wert in einer Welt, die von kleinen Männern regiert wird,
einer Tischtenniswelt voller Hornbrillen?

„Mach mal allein“, sag ich und Mia ist froh. Sie ist gekommen
zu üben. Und ich sitz an der Bar und warte
eine Stunde und noch eine Stunde und das Bier ist warm
und schmeckt nach Staubsaugerluft. Und
Mia spielt und wird nicht besser, aber sie muss
üben und üben für die Selbstverwirklichung. Der Buddhismus
hat nicht gereicht.
Und sie macht einen Punkt und fällt dem Männlein
um den Hals. Ich bin nicht mehr da in ihrem Kopf, noch
in sonst einem Teil ihres Körpers.
Und ich stehe auf und gehe da weg und lasse
sie ziehen, die kleine Mia. Mia mit
dem Schlafzimmerblick. Ich mag sie jetzt
nicht mehr.

(Bildquelle: by_A.Dreher_pixelio.de)

Ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen

ich hab einem Nazi die Füße gewaschen,
ich hab einem Baulöwen die Beichte erspart,
ich hab einem Whistleblower auf die Hose gebrochen,
ich hab einen Sachbearbeiter nach seiner Meinung gefragt.

ich hab eine Hure zum Ritter geschlagen
ich bin dem Botschafter in die Hacken gelatscht
ich hab einem Entführer die Tür aufgehalten
ich hab einen Hell’s Angel mit Bonbons in mein Auto gelockt.

ich durfte Schlagersängern die Steigbügel halten
ich hab Brillenträgern die Hand gereicht
ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen
ich hab Legionen von Klonen die Betten gemacht.

ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen
ich hab einem Banker die Seele geraubt
ich hab mit youtube-Stars Barrikaden gebaut und gehalten
ich war mit dem Kriegsminister im Kino ein Film über Kiffer und
den Weltuntergang.

Ich hab
Devisen vernichtet
kleine Brötchen gebacken
Fischgräten zerstoßen
Bier kaltgestellt
den Stecker gezogen
die Antenne geknickt
tote Engel gesehen
und das perfekte Verbrechen.
Ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen
wir machen alle nur unseren Job.

ich hab dem Zahnarzt die Zähne gezogen
ich hab den Autoritäten der Fakultäten das Leben erklärt
ich war syrisch essen mit einem Bomberpiloten
ich hab Herodes einen Tempel gebaut.

ich hab eine Nonne ans Messer geliefert
ich hab einem Busfahrer meine Geschichte erzählt
ich hab einem Waffenhändler das Herz gebrochen
ich hab für einen Staatsanwalt Räuberleiter gemacht.

ich hab die Manschetten eines Bestatters gebügelt
ich hab die Macheten von Kindersoldaten geprüft
ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen
ich hab einen Lobbyisten zu Vishnu bekehrt.

ich hab einen Bullen in Notwehr erschossen
ich hab einem Pfaffen die Unschuld geraubt
ich bin eine Meile in den Schuhen von Toten gelaufen
ich hab dem Arbeitsvermittler meine erstgeborene Tochter geboten er
hat nicht gehört.

Ich hab
Akte gezeichnet
den Freitod studiert
die Zeitung gelesen
Silber gezählt
den Draht durchgeschnitten
die Jungfrau zersägt
tote Helden gesehen
und das perfekte Verbrechen.
Ich hab den Sheriff in Notwehr erschossen
wir machen alle nur unseren
Job.

 

(Bildquelle: John McColgan, United States Department of Agriculture)

Karlštejn

Unter dem Neuen Königlichen Palast zu Prag, tief im Herzen des Burgbergs, befindet sich eine Großküche. Mehr als sechzig Männer und Frauen bereiten hier die Festmahle für Staatsempfänge und andere Anlässe zu. Sie wird gut entlüftet und ist über breite Treppen leicht zu erreichen. Und doch fühlt man sich seltsam bedrückt, spürt den Käfig aus Fels, der einen umgibt.
Noch tiefer hinab führt nur ein enger Lift: In den Spülraum, der stets so von Dampf erfüllt ist, dass man kaum einen Meter weit sehen kann. Niemand fährt freiwillig dort hinunter. Das schmutzige Geschirr wird auf Wagen gestapelt, in den Aufzug geschoben – und irgendwann wieder sauber nach oben geschickt.
Ich brüste mich immer damit, nicht studiert und keinen Beruf gelernt zu haben. Doch seit ich hier unten stehe, sechs Tage die Woche, vom Nachmittag bis spät in die Nacht, frage ich mich, ob das ein guter Lebensentwurf war.
„Weißt du, warum keine Treppe hierher führt?“, fragt Michal auf Tschechisch. Seine Schicht ist in wenigen Minuten zu Ende und er entsprechend gut aufgelegt.
„Nein, sag es mir. Sag es mir schnell.“
„Weil das früher der Kerker war. Für die, die wirklich verschissen hatten.“
„Deshalb die gute Aura.“
„Wie lange musst du noch machen?“
„Sechs Stunden, sieben Minuten.“
„Ich bin echt froh, dass ich nicht du bin.“
„Danke, kolega. Du hast ein Herz aus Gold.“
Der Dampf ist allgegenwärtig, weicht Lunge und Haut auf. Obwohl meine Fingerkuppen so runzlig sind, als hätte ich seit Stunden geduscht, entgleitet mir hin und wieder eines der Gläser, Marke Riedel, Edition Sommeliers, gut tausend Kronen das Stück.
Michal ist gerade gegangen, da passiert es schon wieder. Ich versuche die Champagner-Flöte im Fallen zu fangen, erreiche damit jedoch nur, dass sie an einer Kante zerbricht und mir tief zwischen Mittel- und Ringfinger schneidet. Darum bemüht, kein Blut auf die anderen Gläser zu tropfen, greife ich nach dem internen Telefon.
„Kurva Piča!“, schimpft der Bereichsleiter am anderen Ende. „Das zieh ich dir vom Gehalt ab!“ – „Alles klar. Kann ich bitte trotzdem ein Pflaster kriegen?“
„Sei froh, wenn ich dich nicht sofort rausschmeiße!“
Der Aufzug spuckt den nächsten Wagen mit Schmutzgeschirr aus. Durch die Verzögerung ist der letzte nicht fertig beladen. Notdürftig verbinde ich meinen Finger mit einer soßengetränkten Serviette und versuche ohne Zuversicht aufzuholen. Schon nach wenigen Augenblicken quietscht die Lift-Tür erneut. Die Bastarde ziehen die Schlinge schneller zu als erwartet.
„Wo bist du?“, höre ich Lauras Stimme im Nebel. Sie sieht mich erst, als sie unmittelbar vor mir steht. Wortlos nimmt sie meinen völlig durchweichten Notverband ab und desinfiziert die Wunde.
„Wie ist es oben bei euch?“, frag ich.
Laura schüttelt den Kopf. Als Servicekraft hat sie es möglicherweise noch schlimmer getroffen als ich.
„War der Präsident schon da?“
„Weiß nicht. Die sehen alle gleich aus.“
Sie verklebt meine Wunde und wirft einen Blick auf die Scherben.
„Wieviel kostet so eins?“
„Etwas mehr als vier Stundenlöhne.“
„Oje. Und was machst du jetzt?“
Statt einer Antwort nehme ich noch ein Glas und lasse es fallen.
„Du bist ein Idiot.“
„Wann hast du mal wieder Ausgang?“
„Wir können nicht dauernd was unternehmen.“
Ich gebe ihr einen Kuss.
„Hör auf.“ Sie geht zum Fahrstuhl zurück. „Das geht einfach nicht.“
„Ich hab morgen frei. Dann drei Wochen nicht mehr.“
„Mein Freund kommt morgen Abend.“
„Wir treffen uns in der Frühe.“
„Es geht nicht.“
Ich bringe meine Schicht zu Ende ohne allzu viel nachzudenken. Als ich mit dem letzten Wagen nach oben fahre, treffe ich auf die Nachhut der Köche. Sie vermeiden es mich anzusehen. Keine Solidarität unter Sklaven.
In einer Seitenkammer des Wladislawsaals treffe ich auf Laura. Sie ist damit beschäftigt, ein paar Dutzend Stehtische aus ihren Hussen zu pellen.
„Soll ich dir helfen?“
„Wenn du dabei nicht redest.“
Ich fingere ratlos an einer Seidenschleife herum.
„Wie lange bleibt dein Freund?“, frag ich dann.
„Sei still.“
„Vielleicht können wir was zu dritt unternehmen. Immerhin ist er mein Milchbruder.“
„Du bist unmöglich.“ Sie muss gegen ihren Willen lachen.
In dem Moment betritt mein Bereichsleiter den Raum. „Laura?“, ruft er, dann sieht er mich.
„Wie oft soll ich’s dir noch sagen: Du hast hier oben nichts verloren!“
„Doch. Meine Würde.“
„Mach, dass du raus kommst.“
„Also wann sehen wir uns?“, frag ich Laura auf Deutsch. Der Bereichsleiter hasst das.
„Um neun. Westbahnhof. Arschloch.“
Mein Zimmer liegt auch unterirdisch, deshalb fühlt es sich am nächsten Tag merkwürdig an, ins Freie zu kommen. Laura steht schon auf dem Bahnsteig.
„Wo fahren wir hin?“, frage ich.
„Hauptsache, raus aus der Stadt.“
Wir warten, bis ein Zug kommt, in den sonst niemand einsteigt. Auf der Fahrt Richtung Süden knacke ich kleine Budweiser-Dosen. Laura trinkt Wodka pur.
„Hast du mal daran gedacht zu kündigen?“
„Jeden Tag“, sagt sie.
„Was haben wir aus unserem Leben gemacht?“
„Halt bitte den Mund.“
Ich halte den Mund. Nach einer Weile setzt Laura sich neben mich und legt ihren Kopf an meine Schulter. Der Augenblick ist perfekt. Deshalb stoppt der Zug auch in diesem Moment und ein buckliger Schaffner scheucht uns nach draußen. Wir befinden uns an einem winzigen Bahnhof mitten im Wald. Auf einer Felszunge, die zwischen uns und der Sonne steht, erhebt sich Burg Karlštejn.
Wir steigen schweigend hinauf und lassen uns vor dem Tor nieder um eine Zigarette zu rauchen. Prompt werden wir von zwei Tschechinnen angefaucht. Die Welt scheint sich an uns als Knechte gewöhnt zu haben.
„Im 14. Jahrhundert wurden hier die Reichskleinodien des Deutschen Kaisers aufbewahrt“, hören wir einen Touristenführer. „Heute können Sie natürlich nur noch die Nachbildungen bewundern.“
„Willst du sie dir anschauen?“, frag ich.
„Was soll das denn sein?“
„Na, Zepter, Reichsapfel und so. Und die Lanze, mit der sie Jesus gepiekt haben.“
„Ach, lass uns lieber hier sitzen und trinken.“
„Okay. Das kann ich am besten.“
„Deswegen mag ich dich auch.“
Sie leert den Wodka und holt eine neue Flasche hervor. Trinkt fast verzweifelt. Als sie aufsteht, um irgendwo pinkeln zu gehen, rastet sie mit der Stirn auf der Wiese ein und bleibt liegen.
„Taxi!“, rufe ich. Leider gibt es hier keine Straße. Also nehm ich sie auf die Arme und schließe mich einer der Touristengruppen an. Unter einem Volk von Säufern fällt man als Säufer nicht auf. Als wir uns den königlichen Wohnräumen nähern, seile ich mich wieder ab. Lege Laura ins Bett Karls IV.
Während sie leise zu schnarchen beginnt, trete ich ans Fenster und lasse meinen Blick über die böhmischen Wälder schweifen. Am Horizont lauert der Job, Lauras Freund, eine Armada von Fragen. Vielleicht hätte ich doch studieren sollen. Aber dann würde ich nun auf einem Campus rumhängen. In der Mensa sitzen mit einer geerdeten Freundin und Tiefkühl-Lasagne verdrücken und reden.
Dann doch lieber verzweifelt sein. Am Ende der Welt mit einer unerreichbaren Frau in den Gemächern eines Römischen Kaisers.

Unser Feld

Na, toll. Jetzt ist es soweit. Ich bin in die Falle getappt. Hank Bukowski hat mich immer gewarnt: Politik ist eine Hure. Aber ich habe mich nun mal entschieden und gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes gestimmt.
Ich bin einfach gern da. Es ist ein magischer, schräger Ort. Und keine andere Stadt der Welt hat so etwas. Ich will weiter dorthin gehen. Und es auch gern meiner Tochter zeigen. Wenn sie aber anfangen, an den Rändern Wohnhäuser zu bauen, LUXUSWOHNHÄUSER, dauert es nicht lang und jemand beschwert sich über die Lautstärke. Dann wird der Zutritt beschränkt. Dann wird mehr gebaut. Und irgendwann darf man überhaupt nicht mehr hin.
Deshalb haben ich und 740.000 andere dagegen gestimmt. Es wurde demokratisch und rechtsgültig beschlossen, dass dort nicht gebaut werden darf. Die Bebauungsbefürworter im Senat haben keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr sie sich persönlich darüber ärgern, dass das Volk sich so ungustiös in das Tagesgeschehen einmischt.
Nun hat sich vieles geändert. Der enorme Flüchtlingsandrang schreit nach schnellen Lösungen. Ich bin für bedingungslose Hilfsbereitschaft. Und auch das Feld ist nicht so heilig, dass es nicht zur Unterbringung genutzt werden könnte.
Ich horche nur auf, wenn ich höre, WER diese Nutzung fordert. Unter lautem Protest der Piraten, der Grünen, ja, sogar der CDU, ist es der SPD-Stadtentwicklungssenator Geisel, der hier seine Stimme erhebt.
Stadtentwicklungssenator? Was macht so jemand, wenn gerade keine Flüchtlingskrise zu bewältigen ist? Richtig, er entwickelt. Stadt. Und bestimmt gibt er sich nicht mit Kleinkram ab. Solche Leute wollen immer Prestige-Projekte.
Deshalb erscheint es ihm auch wenig glanzvoll, irgendwelche leerstehenden Neuköllner Kaufhäuser der sinnvollen Nutzung zuzuführen, und DORT Flüchtlinge unterzubringen. Oder in einer der zahllosen anderen Möglichkeiten, die gar nicht erwähnt werden, weil die SPD sich weigert, ein Gutachten darüber erstellen zu lassen.
Nein, er möchte die Flüchtlinge auf den Rändern des Feldes unterbringen. Auf jenen Streifen, auf denen sie 2014 ihre Luxus-Schinken hochziehen wollten. Brachflächen ohne Kanalisation, ohne Stromleitungen. Die nicht einmal betoniert sind. Und dafür verseucht mit Weltkriegsmunition. Natürlich will er das. Weil auf die Art ganz nebenbei das Gebiet erschlossen wird. Für zukünftige Projekte.
Weil Männer wie Geisel nicht an die Flüchtlinge denken. Sondern nur an ihre eigentliche Aufgabe. Und weil es ihnen nicht zynisch vorkommt, das schlimmste Elend für ihre Zwecke zu nutzen.
„Wir diskutieren nicht die Abschaffung, sondern die Ergänzung des Tempelhofgesetzes.“
Das könnte man auch zu jemandem sagen, der ohne Grund, ohne Gerichtsverhandlung eingesperrt wird: Das ist keine Abschaffung deines Grundrechtes. Sondern eine Ergänzung.
Ich brauch jetzt erstmal was zu trinken. Scheiß-Politik. Aber wenn ich solche grinsenden Opportunisten höre, reißt mir immer die Hutschnur. Vor allem, wenn sie derweil mehr und mehr Waffen exportieren. Und damit die arabische Halbinsel so verheeren, dass unsere Brüder und Schwestern nie mehr in ihre Heimat zurückkehren können.